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Bildung

Wachstumspotenziale der Hochschule Bremerhaven

Studie von Christina Boll, Jan Wedemeier, André Wolf

Das HWWI hat im Auftrag der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung in einer neuen Studie Wachstumspotenziale für das Studienangebot der Hochschule Bremerhaven identifiziert. Zielsetzung war es, vor dem Hintergrund des regionalen Strukturwandels Vorschläge für zusätzliche Studiengänge auf Bachelor- und Master-Niveau zu erarbeiten, die mittelfristig zum Beschäftigungswachstum in der Region beitragen. Hierzu hat das HWWI eigens für die Studie eine konsistente Methodik entwickelt, welche sich aus einer quantitativen Analyse von Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit und einer qualitativen Analyse der Implikationen von Zukunftstrends auf die zukünftige Arbeitsnachfrage zusammensetzt.

Erstes Ergebnis der Untersuchung ist, dass das gegenwärtige Studienangebot mit seinem Fokus auf Ingenieurswissenschaften, Informatik und Logistik die zukünftigen Arbeitsmarktbedarfe bereits relativ gut abdeckt. Auf Grundlage der gewählten Methodik konnten in der Studie nichtsdestotrotz acht zukunftsträchtige Entwicklungsoptionen abgeleitet werden. Dazu gehören sowohl die Einführung gänzlich neuer Studiengänge als auch Vorschläge zur Prüfung der Schwerpunktsetzung in bestehenden Studiengängen.

Für den technischen Fachbereich wurden insgesamt drei Vorschläge für Zusatzangebote erarbeitet: Abfallwirtschaft/Ressourcenmanagement (Bachelor), Facility Management (Master) und  Mechatronik/Systems Engineering (Bachelor/Master). Angebote zu Abfallwirtschaft/Ressourcenmanagement sind vor allem aufgrund der wachsenden gesellschaftlichen Bedeutung von Ressourcenknappheit sowie den für das Management der Kreislaufwirtschaft benötigten Querschnittskenntnissen in Technik, Wirtschaft und Recht zukunftsträchtig. Unsere Arbeitsmarktanalyse demonstriert zudem auch eine hohe beschäftigungsseitige Relevanz des dazugehörigen Berufsfeldes auf Bachelor-Anforderungsniveau. Auch der Bereich Facility Management wird vor dem Hintergrund wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen an die Gebäudebewirtschaftung als zukunftsfest eingeordnet. Ein betreffender Master-Studiengang ließe sich zudem sehr gut in das vorhandene Lehrportfolio einbetten. Mit der Einführung eines Studiengangs zu Mechatronik/Systems Engineering könnte schließlich an eine allgemein an technisch ausgerichteten Hochschulen zu beobachtende Entwicklung angeknüpft werden: der Stärkung von Kompetenzen an der Schnittstelle von Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau, um dem Trend zur Automatisierung in der Industrie gerecht zu werden.

Im Fachbereich Management und Informationssysteme wurden zwei neue Angebote als aussichtsreich beurteilt: Master-Studiengänge in den Fächern Tourismus und Betriebswirtschaftslehre (BWL), welche jeweils auf bereits vorhandenen Bachelor-Angeboten aufbauen könnten. Als sinnvolle inhaltliche Schwerpunkte für den Tourismus-Master wurden Erlebnis-/Eventmanagement oder Hotelmanagement identifiziert, da diese eine gute Ergänzung zum vorhandenen Bachelor-Angebot im Feld Cruise Tourism Management darstellen. Für den BWL-Master wird Gesundheits- und Pflegemanagement als ein möglicher Schwerpunkt vorgeschlagen, da sich hieraus Synergien mit dem Vorschlag eines neu zu errichtenden dritten Fachbereichs an der Hochschule ergeben würden (siehe unten). Schließlich wird im Hinblick auf den vorhandenen Bachelor-Studiengang BWL angeregt, eine Überprüfung der bisherigen Schwerpunktthemen dahingehend vorzunehmen, ob diese den zu beobachtenden Bedarfen des regionalen Arbeitsmarktes in den Einzeldisziplinen (unter anderem Unternehmensorganisation und -strategie, Einkauf und Vertrieb) hinreichend entsprechen.

Neben diesen in den bisherigen Fachbereichen angedockten Empfehlungen hat die Analyse auch zu Vorschlägen für Studiengänge geführt, die dem Themenkreis Gesundheit/Soziales zuzuordnen sind und sich somit in der gegenwärtigen Fachbereichsstruktur nicht wiederfinden. Vor diesem Hintergrund schlägt die Studie die Einrichtung eines dritten Fachbereichs „Gesundheit und Soziales“ an der Hochschule Bremerhaven vor, an dem zunächst folgende neue Angebote angesiedelt werden könnten: Soziale Arbeit (Bachelor/Master) und Medizinische Assistenz/Physician Assistant (Bachelor). Für die Schaffung von Studienangeboten im Feld Sozialer Arbeit sprechen sowohl die herausragende Relevanz im Hinblick auf die gegenwärtigen Beschäftigungszahlen als auch die beruflichen Trends. Zudem würde aus strategischen Gesichtspunkten das Profil der Hochschule um einen zukunftsweisenden Bereich ergänzt, der wenig Risiko der Substitution gegenüber dem vorhandenen Angebot birgt, mithin also in besonderem Maße zu einem Anstieg der Gesamtzahl an Studierenden beitragen könnte. Mit der Einführung eines Angebots im Bereich Medizinische Assistenz/Physician Assistant könnte sich die Hochschule schließlich mit an die Spitze einer Entwicklung stellen, die sich in Deutschland zurzeit noch in den Kinderschuhen befindet. Hiermit könnte zugleich auf Fachkräfteengpässe in der regionalen Gesundheitswirtschaft als auch auf den allgemeinen Trend zunehmender Akademisierung im Gesundheitswesen reagiert werden.

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Autoren der Studie

Dr. Christina Boll
Dr. Jan Wedemeier
Dr. André Wolf

HWWI Policy Paper

Regionaler Strukturwandel und seine Implikationen für die Wachstumspotenziale der Hochschule Bremerhaven