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CLEVER Cities

Naturbasierte Lösungen für eine ökologische, ökonomische und soziale Stadterneuerung

BEITRAG VON Andreas Schmalzbauer und Isabel Sünner

In hoch urbanisierten Räumen verändert sich das Verständnis von Landschaft. Diese ist kein unberührter Naturraum vor den Toren der Städte mehr, sondern ein wichtiger Bestandteil mitten in der Stadt, der zu einer verbesserten Lebensqualität und einem gesünderen Stadtklima beiträgt.1

Im Rahmen des Projektes "CLEVER Cities" werden naturbasierte Lösungsansätze zur nachhaltigen und integrativen Stadterneuerung entwickelt, die ökologische, ökonomische und soziale Verbesserungen sinnvoll miteinander verknüpfen sollen. Unter naturbasierten Lösungen für gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen versteht man "Ansätze, die von der Natur inspiriert sind, sich auf die Natur stützen oder die Natur kopieren"2. Sie "bewirken zahlreiche positive Nebeneffekte für die Gesundheit, die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Umwelt und können damit effizientere und kostengünstigere Lösungen als herkömmliche Ansätze bieten"3.

Ausgehend von Partnerclustern in Hamburg, London und Mailand werden die naturbasierten Ansätze im Rahmen von CLEVER Cities zunächst in diesen drei "Frontrunner Cities" anhand konkreter Maßnahmen getestet, um dann auf weitere Standorte in Europa, Südamerika und China übertragen zu werden. Das Projekt setzt dabei nicht nur auf die praktische Umsetzung von naturbasierten Lösungen zur Stadterneuerung, sondern treibt auch deren langfristige Einbettung in städtische Planungsprozesse voran und möchte schließlich Finanzierungs- und Geschäftsmodelle zur weiteren Verbreitung naturbasierter Lösungen entwickeln.

Dafür arbeiten seit Juni 2018 33 Partner über eine Laufzeit von fünf Jahren zusammen. Konkrete Maßnahmen werden – außer in Hamburg, London und Mailand – auch in den sogenannten "Fellow Cities" Belgrad, Larissa, Madrid, Malmö, Quito, Sfantu Gheorghe sowie in ausgewählten Städten in China geplant und von Partnern aus Wissenschaft und Praxis unterstützt. CLEVER Cities verfügt über ein Gesamtvolumen von mehr als 14 Millionen Euro und wird aus dem Horizon 2020 Forschungsprogramm der Europäischen Union (EU) finanziert. Die Federführung liegt bei der Freien und Hansestadt Hamburg.

Naturbasierte Lösungen werden von der Europäischen Union seit einigen Jahren propagiert und in verschiedenen Forschungsprojekten gefördert4, insbesondere hinsichtlich der Bewältigung urbaner Herausforderungen5. Dazu zählen unter anderem Fragen der sozialen Spaltung durch sich verändernde demografische Strukturen einschließlich einer wachsenden ethnischen Diversität, die notwendige Verringerung des Ressourcenverbrauchs und neue Formen urbaner Mobilität zwecks Adaption an den Klimawandel. Insbesondere in sozial benachteiligten Stadtteilen treten häufig größere Anpassungsschwierigkeiten an die urbanen Herausforderungen zutage. Hinzu kommen weitere Problemlagen wie geringe wirtschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten, ein unzureichender Zugang zu umliegenden Naturräumen und eine erhöhte Emissionsbelastung.

Als Zielgebiet für die naturbasierten Lösungen im Rahmen des "CLEVER Cities"-Projektes in Hamburg wurde Neugraben-Fischbek im Bezirk Harburg ausgewählt mit im Vergleich zur Gesamtstadt erhöhten Anteilen von Menschen mit Migrationshintergrund und Leistungsempfängern von Arbeitslosengeld II.6

Das HWWI beteiligt sich als Teil des Hamburger Projektteams an der Umsetzung der Maßnahmen im Projektgebiet Neugraben-Fischbek. Hierbei wird das HWWI insbesondere die Voraussetzungen für die Messbarkeit und die datengetriebene Auswertung der im Projekt durchgeführten Maßnahmen sicherstellen. Für Hamburg wird das HWWI zudem Möglichkeiten zur systematischen Ausweitung erfolgsversprechender naturbasierter Lösungen auf weitere Stadtteile ermitteln. Zudem agiert das HWWI städteübergreifend als begleitender wissenschaftlicher Partner für "CLEVER Cities". So wird das HWWI in allen "Frontrunner Cities" überprüfen, inwiefern die gewählten Maßnahmen die gewünschten Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, sozialer Zusammenhalt und Sicherheit erreichen. Als Leiter des entsprechenden Arbeitspakets übernimmt das HWWI zusätzlich die Aufgabe, naturbasierte Lösungsansätze in marktgerechte Produkte mit robusten Finanzierungs- und Geschäftsmodellen zu überführen, um so deren Verbreitung zu fördern und die EU als Marktführer grüner Stadterneuerung global zu etablieren.

"CLEVER Cities" baut in der Planung der lokalen Maßnahmen auf dem Erfahrungsschatz vorhandener Projekte auf, möchte dabei aber naturbasierte Lösungen systematisch in die Stadtentwicklung integrieren und somit langfristig fördern. Dies geschieht zum einen durch den intensiven Austausch zwischen den beteiligten Städten und zum anderen durch den Dialog vor Ort zwischen der städtischen Verwaltung, Verbänden, Bürgern und Unternehmen. "CLEVER" steht für "Co-designing locally tailored ecological solutions for value added, socially inclusive regeneration" und betont somit die notwendige Einbindung aller lokal Betroffenen in die Entscheidungsprozesse bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen der Stadterneuerung. Dabei geht "CLEVER" über "smarte" Lösungen nachhaltiger Stadtentwicklung hinaus, die ausschließlich auf die Potenziale technologischer Lösungen konzentriert bleiben und wählt dagegen einen ganzheitlichen Ansatz zur Bewältigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Herausforderungen. Als Projektgebiete für die Umsetzung naturbasierter Lösungen wurden in Hamburg, Mailand und London deshalb bewusst Orte mit vergleichsweise hoher ethnischer Diversität, sozialer Ungleichheit, hoher Arbeitslosigkeit und hoher Kriminalität ausgewählt.

In Neugraben-Fischbek im Hamburger Bezirk Harburg ist unter anderem die Schaffung eines grünen Korridors zur Verbindung der beiden Ortsteile geplant sowie Maßnahmen zur Dachbegrünung und zum Regenwassermanagement. Im Londoner Stadtteil Thamesmead, das von Wohnhochhäusern des sozialen Wohnungsbaus geprägt ist, sollen begrünte Plätze, Straßen und Fußwege die Fortbewegung der Bevölkerung attraktiver und sicherer machen. Im Mailänder Stadtteil Lorenteggio-Giambellino werden neben Gründächern auch Grünflächen an den das Viertel durchschneidenden Bahnstrecken errichtet und als Lärmbarrieren genutzt.

Nachdem "CLEVER Cities" mit einem dreitägigen Kickoff-Event im Juni in Hamburg gestartet ist, werden die lokalen Projekte in Hamburg, Mailand und London bei öffentlichen Auftaktveranstaltungen im Oktober 2018 vorgestellt. In Hamburg findet diese am 29. Oktober 2018 im Bildungs- und Gemeinschaftszentrum Süderelbe in Neugraben statt.


1www.zukunftsinstitut.de/artikel/urbanisierung-die-stadt-von-morgen/
2EU-Forschung und Innovation auf dem Weg zu einer Agenda für naturbasierte Lösungen und die Renaturierung von Städten. Zusammenfassung des Abschlussberichts der Horizont-2020-Expertengruppe zu „Naturbasierte Lösungen und Renaturierung von Städten“. https://ec.europa.eu/research/environment/pdf/renaturing/nbs_report-de-summary.pdf.
3
Ebd.
4ec.europa.eu/research/environment/index.cfm.
5ec.europa.eu/easme/en/news/nature-based-solutions-are-helping-address-urban-challenges.
6Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein. Hamburger Stadtteil-Profile Berichtsjahr 2016. NORD.regional Band 19. https://www.statistik-nord.de/fileadmin/Dokumente/NORD.regional/NR19_Statistik-Profile_HH_2017.pdf.

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Andreas Schmalzbauer
Isabel Sünner

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