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Blue Economy

Chancen und Herausforderungen maritimer Raumplanung im Ostseeraum

BEITRAG VON Isabel Sünner

Ziel der "Blue Growth"-Strategie der Europäischen Union (EU) ist es, nachhaltiges und integriertes Wachstum in allen Bereichen der marinen und maritimen Wirtschaft ("Blue Economy") zu fördern (Europäische Kommission, GD MARE, 2012). Die Blue Economy verfügt über ein hohes Wachstumspotenzial und eine große Innovationsfähigkeit und kann insofern – unter den richtigen Voraussetzungen – als Treiber bei der Umsetzung der Europa 2020-Strategie angesehen werden.

Die Strategie konzentriert sich dabei auf Maßnahmen in drei thematischen Schwerpunktbereichen: 

  1. Wissensbasis – Verbesserung des Zugangs zu Informationen über das Meer;
  2. Maritime Raumordnung – Gewährleistung eines wirksamen und nachhaltigen Managements der Aktivitäten auf See;
  3. Integrierte Meeresüberwachung – Verbesserung der Informationen für Behörden über maritime Tätigkeiten.

Der Begriff "Blue Growth" steht für innovative Wege, um unterschiedliche maritime Aktivitäten miteinander in Einklang zu bringen, beispielsweise durch die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen, personellen und finanziellen Ressourcen. Um das volle Potenzial der Blauen Wirtschaft zu heben, erscheint es zudem wesentlich, auch sog. Cross-Innovation-Potenziale zu  nutzen. Denn gerade Spezialisierungsfelder an Schnittstellen der maritimen Wirtschaft zu anderen Sektoren können erhebliche Wachstums- und Innovationspotenziale in sich bergen.

Das neue INTERREG-Ostseeprojekt "Land-Sea-Act" (Land-sea interactions advancing Blue Growth in Baltic Sea coastal areas), an dem das HWWI als Forschungspartner beteiligt ist, beschäftigt sich mit Chancen und Herausforderungen der maritimen Raumplanung im Ostseeraum. So sollen Küstengemeinden dabei unterstützt werden, Interessenskonflikte zwischen unterschiedlichen land- und seeseitigen Nutzungen zu lösen und die ökomischen Chancen einer integrierten Raumentwicklung gezielter zu erschließen. Das Interessensmanagement soll dabei insbesondere durch die Entwicklung und das Austesten neuartiger Governance-Modelle unterstützt werden, die neben lokalen auch regionale bzw. nationale Stellen mit Verantwortlichkeit für die maritime Raumplanung einbinden.

So werden beispielsweise in Deutschland (Fehmarn) und Estland Pilotvorhaben zu nachhaltigen Mobilitäts- und Tourismuskonzepten für Küstenregionen durchgeführt. Die Entwicklung von maritimem Verkehr und Häfen sowie des Meerestourismus zählen zu den großen Herausforderungen für rurale Küstenregionen im Ostseeraum. Um diese Aufgaben zu meistern, sind ganzheitliche räumliche Managementkonzepte erforderlich, welche Land- und maritime Flächennutzung effizient miteinander verbinden. Durch den Klimawandel und die Veränderung von Wetterbedingungen müssen insbesondere Inseln die Chancen und Risiken des maritimen Tourismus neu denken und vorhandene Konzepte vorausschauend weiterentwickeln. Dabei gilt es, vorhandene Küstenökosysteme zu schützen und zugleich die ökonomischen Potenziale – etwa einer verlängerten Sommersaison – nutzbar zu machen.

Anhand der Pilotvorhaben soll neben den Governance-Modellen zudem getestet werden, welche Möglichkeiten für die regionale Wirtschaft sich durch innovative Ansätze und integrierte Nutzungen in der Blue Economy ergeben können, etwa in Form neuartiger Geschäftsfelder für kleine und mittlere Unternehmen. Das HWWI wird die Praxisbeispiele hinsichtlich ihrer regionalökonomischen Effekte analysieren sowie deren Innovationsfähigkeit bewerten. In einem zweiten Schritt wird die Marktfähigkeit der neuen Anwendungsfelder hinterfragt, um auf dieser Basis einen Aktionsplan "Unternehmertum und Blue Growth" für die beteiligten Küstenregionen zu entwickeln.

Das Projekt "Land-Sea-Act" unter der Federführung des lettischen Umweltministeriums wird durch das INTERREG-Ostseeregion-Programm der Europäischen Union (2014-2020) gefördert. Es kooperieren elf Partner aus insgesamt fünf Ländern (Dänemark, Deutschland, Estland, Lettland, Polen und Schweden). Das Gesamtbudget des Projektes liegt bei rund 2,2 Millionen Euro bei einer Laufzeit von Januar 2019 bis Juni 2021.

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Isabel Sünner