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Ausgabe Frühjahr 2020

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Das Vermögen der Zukunft

STUDIE VON Carsten Mumm und Henning Vöpel

Angesichts der enormen Veränderungen und Umbrüche in Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft gewinnt der Begriff des Vermögens wieder an Bedeutung. Diese Veränderungen sind so grundsätzlich, dass das Vermögen der Zukunft neu gedacht werden sollte und neue Anreize zur Vermögensbildung und Vermögensbeteiligung gesetzt werden müssen.

Vermögen ist nicht allein eine ökonomische Größe, es hat außerordentliche politische und gesellschaftliche Relevanz für die Akzeptanz und die Funktionsweise von Demokratie und Marktwirtschaft. Die Studie "Das Vermögen der Zukunft" von Donner & Reuschel und HWWI zeigt, dass fundamentale, geradezu historische Veränderungen stattfinden, die zu einer Umwertung des bestehenden und zum Aufbau neuen Vermögens Anlass geben. Die wesentlichen Aspekte in diesem Sinne entstehen durch die Digitalisierung, die Dekarbonisierung und die Demografie. Diese Veränderungen finden in einem besonderen makroökonomischen Umfeld statt, das insbesondere durch zum Teil negative Nominalzinsen und mögliche Verzerrungen in den Vermögenspreisen geprägt ist.

Der Übergang vom „alten“ Vermögen in die Zeit des „neuen“ Vermögens ist durch folgende Aspekte gekennzeichnet:

  • Klassische Erwerbstätigkeit und Arbeitseinkommen geraten unter Druck. Humankapital entwertet sich zum Teil, Bildungsrenditen können für ganze Generationen sinken.
  • Klassisches Kapital entwertet sich, denn die Produktion von Gütern und die Bereitstellung von Services erfolgt mit immer weniger Kapital, dafür verstärkt mit Daten. Das Anlagevermögen in den Bilanzen von Unternehmen ist in Zukunft weniger wert.  
  • Durch die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz, Robotern und Mensch-Maschine-Systemen verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Kapital. Unternehmen werden zu hybriden Strukturen, Branchen wachsen zu Ökosystemen zusammen und die Innovations- und Technologiezyklen werden immer kürzer.
  • Vermögen kann dadurch immer weniger in einzelne Bestandteile separiert und bewertet werden. Zudem lässt es sich immer weniger über längere Zeit erhalten, weil es schneller veraltet.
  • Eine stärkere und breitere Beteiligung an technologischem Vermögen und die permanente Erneuerung von Humankapital sind der Schlüssel für Resilienz und Sicherheit.
  • Die natürlichen Lebensgrundlagen sind das wichtigste langfristige Vermögen von Menschen. Es zu schützen und Investitionen in seinen Erhalt zu fördern, ist heute eine der wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Aufgaben. Es gilt, diesem Vermögen eine grüne Rendite zu geben, die die Verhaltens-, Produktions- und Innovationsanreize auf den generationenübergreifenden Erhalt dieses Vermögens richtet.
  • Die technologischen Möglichkeiten und die gesellschaftlichen Narrative verändern sich dramatisch. Das wirtschafts- und gesellschaftspolitische Augenmerk sollte daher darauf ausgerichtet sein, neues Vermögen zu bilden und möglichst viele Menschen daran zu beteiligen, um den bevorstehenden Wandel zu gestalten.

Der Aufbau von Vermögen ist immer Ausdruck von Zukunftsoptimismus und Gestaltungswillen einer Gesellschaft, der Zugang zur Vermögensbildung für Menschen eine Frage von Gerechtigkeit und Stabilität einer Gesellschaft. Mehr denn je braucht es Zukunftsoptimismus, Verantwortung und Gestaltungswillen. Sie sind in Zeiten des Strukturwandels die wichtigsten Werte und das wertvollste Vermögen.

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