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BDO International Business Compass 2018

Energie- und Ressourcenverbrauch

Studie von Theodor Friederiszick, Marcel Stapke, André Wolf

Im Auftrag der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat das HWWI nun bereits zum siebten Mal den BDO International Business Compass (IBC) erstellt. Der IBC ist ein jährlich aktualisierter Länderindex zur Bewertung der Standortattraktivität von Ländern aus Unternehmensperspektive. Die diesjährige Ausgabe beschäftigt sich mit räumlichen Mustern im Energie- und Ressourcenverbrauch und deren Implikationen. 

Spätestens der Abschluss des Pariser Klimaabkommens in 2015 hat gezeigt, dass global mittlerweile eine große Mehrheit der Länder die Begrenzung von Treibhausgasemissionen als strategisches Zukunftsziel anerkennt, um so den Prozess der Erderwärmung zu verlangsamen. Nach wie vor bestehen jedoch sehr unterschiedliche Ansichten über die angemessene umwelt- und energiepolitische Strategie auf dem Weg zu diesem Ziel. Während Länder wie Deutschland mittelfristig einen Verzicht sowohl auf Atomkraft als auch auf Kohle anvisieren und hierzu den Ausbau regenerativer Energien massiv fördern, begreifen Länder wie Frankreich und Schweden die Atomkraft als notwendigen Bestandteil eines nachhaltigen Energiemix. Wiederum andere Länder wie die USA sehen vor allem die mit einer Energiewende verbundenen Risiken und fürchten Wettbewerbsnachteile durch höhere Energiekosten. Auch im Hinblick auf die Wahl der regulatorischen Instrumente gibt es große Diskrepanzen, das Spektrum reicht von Verbotsmaßnahmen bis zu marktbezogenen Lösungen wie dem Handel mit Emissionszertifikaten. Internationale Investoren speziell aus energieintensiven Branchen stellt diese Vielfalt in ihrer Standortentscheidung vor große Hürden. Unsicherheit im Hinblick auf die Entwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen sowie der Energie- und Emissionskosten dominiert.

Hier setzt der diesjährige Themenschwerpunkt an. Ziel der Analyse war es, zunächst einen Überblick über regionale und globale Entwicklungstrends in der Nutzung verschiedener Formen von Ressourcen und Energieträgern zu geben und dabei spezifische Ländermuster zu identifizieren. Die erworbenen Erkenntnisse wurden dann in einem Ressourcennutzungsindex gebündelt, der die Intensität, mit der ein Land in Relation zu seiner Größe auf knappe Ressourcen zurückgreift, widerspiegelt. Im Rahmen der Untersuchung ist deutlich geworden, dass auf globaler Ebene bei den meisten Ressourcen weiterhin eine hohe Nutzungsintensität vorherrscht. Vor allem der voranschreitende Verlust von Waldfläche in den Entwicklungsländern sowie das Aufkommen an Elektromüll in den Industriestaaten bereiten Sorgen. Denn im Hinblick auf beide Phänomene zeigen die langfristigen Prognosen – wachsende Weltbevölkerung, zunehmende Digitalisierung -, dass nicht mit einer positiven Entwicklung zu rechnen ist. Des Weiteren zeigt der Index zur Nutzungsintensität, dass vor allem Länder mit hohem Entwicklungsstand ressourcenintensiv sind. Bemerkenswert ist jedoch hierbei, dass drei Golfstaaten in den Top 10 vertreten sind, sich jedoch kein westeuropäisches Land dort wiederfindet. Auch ansonsten findet sich eine ganze Reihe an Nicht-OECD-Ländern auf den vorderen Plätzen. Es wird somit deutlich, dass die Schwellenländer in ihrer Nutzungsintensität durchaus aufholen. Es wird interessant sein, diesen Verlauf über die kommenden Jahre weiter zu beobachten. Der bereits in der Einzelbetrachtung beobachtbare Zusammenhang zwischen Ressourcennutzung und Wirtschaftsleistung ist auch in der Gegenüberstellung von Indexwert und Bruttoinlandsprodukt offenkundig. Der wirtschaftliche Aufholprozess der Schwellen- und Entwicklungsländer impliziert daher, dass mittelfristig nicht mit einer Minderung der Ressourcennutzung zu rechnen ist.

Demgegenüber besteht jedoch ein zunehmendes Umweltbewusstsein in den OECD-Ländern. So nehmen dort die als CO2-Senken benötigten Waldflächen tendenziell zu, die landwirtschaftlich genutzten Flächen ab. Außerdem rückt das Recycling des Müllaufkommens in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz sind die gesellschaftlichen Folgeschäden der hohen Rohstoffnutzung immens. Der Großteil der Klimaforscher ist sich einig, dass menschliche Tätigkeiten bei der Erderwärmung eine treibende Rolle spielen. In den meisten hoch entwickelten Volkswirtschaften existieren deshalb entsprechende politische Zielvorgaben, die auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaft haben und Standortentscheidungen beeinflussen. So führt die Existenz energiebezogener Steuern, Abgaben und Förderumlagen zu höheren Energiepreisen für die Industrie. Die HWWI-Analyse verdeutlicht, dass kurzfristig nicht mit Entspannung bezüglich der CO2-Thematik zu rechnen ist. Dementsprechend ist vorauszusehen, dass die Wirtschaft auch weiterhin mit in die Pflicht genommen werden wird und entsprechende Strategien zum Umgang mit dem Nachhaltigkeitsthema entwickeln muss.

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Autor

Dr. André Wolf

Studie

BDO IBC 2018
Update und Themenfokus Energie- und Ressourcenverbrauch

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Im Zeitalter der Globalisierung gilt gerade für mittelständische Unternehmen: die Wahl des richtigen Standortes entscheidet über den unternehmerischen Erfolg.
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