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Digitalisierung

Wie künstliche Intelligenz die Ordnung der Wirtschaft revolutioniert

BEITRAG VON Henning Vöpel

Deutschland liegt international in der Umsetzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zurück. Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft hängt indes wesentlich von KI ab, denn sie wird die Ordnung der Wirtschaft geradezu revolutionieren. So wie die Dampfmaschine die industrielle Automatisierung ermöglichte, wird KI die Autonomisierung unseres Lebens einläuten: Unsere Bedürfnisse werden von Algorithmen schneller erkannt oder Diagnosen von Krankheiten präziser gestellt. Enorme wirtschaftliche Chancen verbinden sich damit, aber KI birgt auch ebenso große, fast dystopische Risiken, denn sie wirft gravierende ethische, regulatorische und gesellschaftliche Fragen auf, die wir heute noch nicht vollständig verstehen.

Künstliche Intelligenz läutet den Übergang von der Industriegesellschaft in die Datengesellschaft ein. Erst durch KI kann der Wert, der in Daten liegt, gehoben werden. Nicht umsonst sind es die großen Datenplattformen wie Google oder Amazon, die zugleich zu den größten Investoren in KI gehören. Übrigens wie auch China, das erklärt hat, zur führenden KI-Nation der Welt aufzusteigen. Dort aber wird der Umgang mit Daten und somit der Einsatz von KI ein ganz anderer sein, als in demokratischen Ländern, in denen wir die Datenhoheit der Menschen schützen müssen. In dem Maße, wie KI die Ordnung der Wirtschaft revolutioniert, werden auch alle anderen politischen und gesellschaftlichen Bereiche betroffen sein, angefangen von Bildung über den Arbeitsmarkt bis hin zum Sozialstaat.

Die vielfach geäußerte Befürchtung, Künstliche Intelligenz könnte zu Massenarbeitslosigkeit führen, ist sicherlich übertrieben. Es wird neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion geben, die neue Arbeitsplätze schaffen werden. Dennoch werden sich Berufsbilder sehr schnell verändern, vielleicht zu schnell für unsere eher trägen, eher auf Wissensvermittlung, denn auf vernetztes und kreatives Denken ausgerichteten Bildungssysteme. Es gilt daher im KI-Zeitalter, das Bildungssystem, den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat zu reformieren. Denn historisch haben technologische Umbrüche oft zu einer Prekarisierung von Arbeit geführt.

Auch wenn KI von menschlichem Bewusstsein und reflexiven kognitiven Fähigkeiten noch weit entfernt ist, so wird KI unser Leben radikal verändern. Wir brauchen eine breite Diskussion über Chancen und Risiken. Die ethischen Fragen zu beantworten ist ebenso wichtig, wie damit anzufangen, KI in unser Leben zu integrieren.

Dieser Beitrag ist am 14. November 2018 im "Weser Kurier" erschienen und basiert auf der Studie von J. Schneider, M. Weis, H. Vöpel: Künstliche Intelligenz und die Neuordnung der Wirtschaft, Hrsg. Ernst & Young, 2018.

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Autor

Prof. Dr. Henning Vöpel

Publikation

Künstliche Intelligenz und die Neuordnung der Wirtschaft (Hrsg. Ernst & Young)

Fachartikel zur Studie

Ökonomische Trends: Wie künstliche Intelligenz die Ordnung der Wirtschaft revolutioniert (aus Wirtschaftsdienst, 98. Jahrgang, 2018, Heft 11, S. 828-830)