Luftfahrt

Die regionalwirtschaftliche Bedeutung von Hamburg Airport

Studie von Gunnar Hagemann, Philip Kerner, André Wolf

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat in einer neuen Studie die regionalwirtschaftlichen Effekte des Hamburger Flughafens "Helmut Schmidt" untersucht. Neben den unmittelbar von der Flughafengesellschaft selbst geschaffenen Arbeitsplätzen wurde auch die Beschäftigungswirkung der am Flughafen ansässigen Konzessionäre sowie der verwandten Zulieferer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse dokumentieren die Rolle des Flughafens als signifikanter regionaler Wirtschaftsfaktor.

Sowohl im Hinblick auf die Passagierzahlen als auch auf die Flugbewegungen nimmt der Hamburger Flughafen im bundesdeutschen Vergleich gegenwärtig den fünften Rang ein. Dabei zeigte er im Wettbewerb der deutschen Flughäfen zuletzt eine überdurchschnittliche Dynamik. So ist die jährliche Gesamtzahl an Starts und Landungen über die letzten drei Jahre in Hamburg sowohl absolut als auch prozentual merklich stärker gestiegen als bei den norddeutschen Konkurrenten. Besonders dynamisch verlief die Entwicklung der Passagierzahlen, die jährliche Zahl ist im Zeitraum 2014-2016 um 9,9 % gewachsen, unter den Top-Flughäfen in Deutschland war die Entwicklung nur in Köln/Bonn noch dynamischer. Im Luftfahrtverkehr zählt der Hamburger Flughafen ebenfalls zu den wichtigsten Knotenpunkten in Deutschland. Vor allem der im Vergleich zur norddeutschen Konkurrenz deutlich höhere Auslandsanteil bei den Ein- und Ausladungen verdeutlicht Hamburgs Position als norddeutschen Luftfahrthub.

Wie an modernen Flughäfen üblich werden auch am Hamburg Airport eine Fülle von Dienstleistungen erbracht, die über das Kerngeschäft der luftfahrtbezogenen Leistungen im engeren Sinne deutlich hinausgehen. Das Management dieses Bündels an Leistungen obliegt der Flughafengesellschaft Hamburg (FHG). Über die Flughafengesellschaft hinaus ist am Hamburger Flughafenstandort eine Reihe von externen Unternehmen präsent, die zum Flughafen im Verhältnis eines Konzessionärs stehen. Diese sind einer breiten Palette an Branchen zugehörig. Das Angebot umfasst sowohl Vor- und Hilfsleistungen für den Luftverkehr wie Reinigung, Sicherheit und Speditionsdienste als auch Dienstleistungen für Reisende in den Wirtschaftsbereichen Gastronomie, Einzelhandel, Autovermietungen und Bankwesen. Zudem zählt hierzu auch der Werftbereich mit der Lufthansa Technik als wichtigen externen Arbeitgeber. Insgesamt war zum 31.12.2015 eine Gesamtzahl von 15.121 Personen am Flughafen beschäftigt, wobei auf den Abfertigungsbereich 6.734 Mitarbeiter und auf den Werftbereich (Lufthansa Technik) 8.387 Mitarbeiter entfielen.

Auch über den Standort selbst hinaus generieren die Flughafengesellschaft und ihre Konzessionäre durch ihre lokale Wirtschaftsaktivität Wertschöpfung und Beschäftigung in Hamburg. Sowohl das Management des Flughafens selbst als auch die am Flughafenstandort vertretenen externen Unternehmen fragen Waren und Dienstleistungen aus der Region nach. Im Falle des Flughafenmanagements zählen dazu sowohl investive Ausgaben wie Aufträge an das lokale Baugewerbe, Beschaffung von Werkzeugen und Büromaterialien etc. als auch konsumtive Ausgaben wie der laufende Energieverbrauch sowie die Reinigung und Instandhaltung. Bei externen Unternehmen stellen etwa im Einzelhandelsbereich der Einkauf lokaler Ware sowie deren Anlieferung eine solche Verbindung dar. Diese regionalen Nachfrageimpulse führen ihrerseits bei Zulieferern zu einem Anstieg der Nachfrage nach Vorleistungen, wodurch sich die Wirkung entlang der gesamten regionalen Wertschöpfungskette entfaltet.

Mithilfe einer Input-Output-Analyse hat das HWWI die Gesamtwirkung dieser Effekte auf Wertschöpfung und Beschäftigung in Hamburg für das Jahr 2016 quantifiziert. Die Analyse ergab einen Wertschöpfungsbeitrag von etwa 500 Mio. Euro sowie einen Beschäftigungseffekt von 6.500 Stellen. Die Auswirkungen der Aktivitäten des Werftbereichs konnten hierbei aufgrund von Datenmangel nicht einbezogen werden. Allein am Standort selbst sicherte dieser Bereich aber zuletzt weitere 8.387 Stellen, sodass die Gesamtbeschäftigungswirkung des Flughafens in einer Größenordnung von mindestens 15.000 Arbeitsplätzen liegen sollte.

Über den unmittelbaren Einfluss der lokalen Wirtschaftsaktivität hinaus erzeugt der Flughafen zusätzliche positive Wohlfahrtseffekte durch die verbesserte räumliche Erreichbarkeit (Katalytische Effekte). Aus Unternehmensperspektive beinhaltet dies Effizienzvorteile in Form von Kostenersparnis und verbessertem Wissenstransfer, allerdings sind diese Effekte für den konkreten Standort nicht seriös quantifizierbar. Auf Konsumentenebene sorgen die lokalen Ausgaben der über den Flughafen anreisenden Touristen für positive Nachfrageimpulse, deren Gesamthöhe wird von uns für 2016 auf etwa 1,3 Mrd. Euro geschätzt. Zusätzlich profitieren die Hamburger Bürgerinnen und Bürger von der im europäischen Vergleich sehr guten Verkehrsanbindung des Hamburger Flughafens.

Ein Blick auf die globalen Langfristprognosen zum Luftverkehr hat schließlich gezeigt, dass der Trend zur räumlichen Verlagerung der weltweiten Luftfahrtströme in die neuen Wachstumsmärkte zunehmen wird, der europäische Markt aber nach wie vor über ein gewisses Wachstumspotential verfügt. Dies impliziert auch grundsätzlich gute Perspektiven für den Hamburger Flughafenstandort. Eine Reihe externer Unsicherheitsfaktoren wird allerdings mit darüber entscheiden, ob sich diese Potentiale auch realisieren lassen. Unsere Analyse zeigt auf, dass von einer solchen Realisation die Hamburger Wirtschaft weit über den Luftfahrtsektor hinaus profitieren könnte.  

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Autor

Dr. André Wolf

Studie

HWWI Policy Paper 106
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