Rohstoffe

Rohstoffpreisentwicklung im ersten Halbjahr 2018

BEITRAG VON Katrin Knauf

Im ersten Halbjahr 2018 wurde der anhaltend steigende Preistrend des zweiten Halbjahres 2017 durchbrochen. Der HWWI-Rohstoffpreisindex fiel im Februar 2018 von 129,0 Punkten auf 121,5 Punkte. In den darauf folgenden Monaten stieg der Index wieder und erreichte im Mai einen vorläufigen Jahreshöchststand mit 136,2 Punkten.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist untergliedert in die Teilindizes: Energierohstoffe, Industrierohstoffe, Nahrungs- und Genussmittel sowie den Gesamtindex ohne Energie. Ziel ist es, die Preisentwicklung einzelner Rohstoffgruppen differenzierter betrachten zu können und regelmäßig über die aktuellen Trends auf den Rohstoffmärkten zu berichten.

Im Index für Energierohstoffe wird die Preisentwicklung für Rohöl, Erdgas und Thermalkohle abgebildet. Der wichtigste weltweit gehandelte Rohstoff ist Rohöl. Der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ist es zusammen mit Russland gelungen, die zum Ende des Jahres 2016 erzielte Vereinbarung über die Reduktion der Fördermengen von Rohöl durchzusetzen. Seit dem zweiten Quartal 2017 übersteigt die Nachfrage das Angebot. Infolge dessen steigen die Preise auf dem Rohölmarkt kontinuierlich. Als Anfang Mai 2018 der US-amerikanische Präsident Donald Trump den Ausstieg der USA aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran verkündete, stiegen die Preise auf den Rohölmärkten nochmals kräftig an und erreichten kurzfristig Preise von über 80 US-Dollar pro Barrel. Die Preise fielen zum Ende des Monats Mai. Es wurde nämlich erwartet, dass die OPEC eine Ausweitung der  vereinbarten Förderquoten auf dem 174. Treffen im Juni 2018 beschließen könnte. Da einige OPEC-Länder aufgrund von politischen oder wirtschaftlichen Konflikten ihre Förderquoten nicht vollständig ausschöpfen, wurde lediglich eine Ausschöpfung der bereits vereinbarten Quoten von der OPEC beschlossen. Die Rohölpreise stiegen deshalb Ende Juni 2018 erneut an. Während die OPEC eine Begrenzung der Fördermengen von Rohöl anstrebte, stieg die Rohölförderung der USA im ersten Halbjahr 2018 weiter an. Bereits voll ausgeschöpfte Transportkapazitäten behindern jedoch gegenwärtig den Export von US-amerikanischen Rohöl nach Europa oder Asien. Auf dem US-amerikanischen Erdgasmarkt verursachte ein Kälteeinbruch zum Jahresanfang 2018 heftige Turbulenzen. Kurzfristig stiegen die Preise dramatisch. Eine anhaltend gute asiatische Nachfrage nach Thermalkohle, vor allem aus China, und eine angespannte Angebotssituation von südafrikanischer Thermalkohle ließen die Preise für Thermalkohle im ersten Halbjahr deutlich steigen. Im Juni 2018 notierte der Index für Energierohstoffe bei 137,5 Punkten.

Die Preisentwicklungen der Industrierohstoffe waren im ersten Halbjahr 2018 durch die Einführung von tarifären Handelsbeschränkungen geprägt. Besonders im Fokus der Diskussion standen Aluminium und Stahl. Anfang März verkündete der US-amerikanische Präsident den Plan zur Einführung von Strafzöllen auf den Import von Aluminium- und Stahlprodukten in die USA. Eine turbulente Nachrichtenlage über Ausnahmen und Gegenmaßnahmen folgte. Weiterhin verhängte Donald Trump Sanktionen gegen den russischen Aluminiumproduzenten RUSAL. Infolge der Sanktionen stieg der Preis für Aluminium im April, weil zunächst Angebotsengpässe erwartet wurden. In den folgenden Monaten sank der Preis, weil sich diese Erwartungen zerschlugen. Die Einführung der Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte haben zunächst zu einem Anstieg der Preise für Stahl- und Aluminiumprodukte in den USA geführt. Nicht alle US-amerikanischen Produzenten werden diese gestiegen Kosten an die Konsumenten weitergeben können und deshalb sank die US-amerikanische Nachfrage nach Stahl und Aluminium. Das nun entstandene Überangebot führte zu sinkenden Preisen für Aluminium- und Stahlprodukte am Weltmarkt. Der Index für Industrierohstoffe notierte im Juni bei 130,6 Punkten.

Im ersten Halbjahr 2018 konnte eine steigende Preisentwicklung bei den Nahrungs- und Genussmitteln in den ersten fünf Monaten beobachtet werden. Mangelnde Aussaat- und Wachstumsbedingungen, allen voran die anhaltende Trockenheit auf der Nordhalbkugel der Erde, führen zu Ernteausfällen. Die Erwartung reduzierter Ernteerträge führte zu steigenden Preisen, vor allem bei Getreide. Im Mai stieg der Index für Nahrungs- und Genussmittel auf seinen vorläufigen Jahreshöchststand von 101,6 Punkten. Im Juni fielen die Preise für Nahrungs- und Genussmittel aufgrund des sich aktuell weiter verschärfenden Handelskonfliktes zwischen den USA und China. Als Reaktion auf die US-amerikanischen Strafzölle hob China wiederholt die Importzölle auf US-amerikanische Produkte an. Betroffen sind Mais und Soja sowie weitere Agrarprodukte. Die gestiegenen Einfuhrpreise nach China führten zu einer sinkendenden chinesischen Nachfrage. Ende Juli 2018 äußerten der US-amerikanische Präsident Donald Trump und der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker auf einem Treffen in Washington die Absicht, den Absatz von US-amerikanischen Mais (und Erdgas) in Europa zu erhöhen. Ob es den US-amerikanischen Landwirten gelingt, die ursprünglich für den chinesischen Markt bestimmten Agrarprodukte auf dem europäischen Markt abzusetzen, bleibt fraglich. Eine starke landwirtschaftliche Regulierung seitens der Europäischen Union (EU) und nationale Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten bestimmen die realpolitischen Entscheidungen in Europa. Weiterhin stehen die europäischen Verbraucher Produkten aus gentechnisch veränderten Pflanzen sehr skeptisch gegenüber. Die Erwartung eines kurzfristigen Absatzes der US-amerikanischen Agrarprodukte in Europa scheint unter den gegebenen Umständen nicht gerechtfertigt.
Für die Entwicklung der Rohstoffpreise im zweiten Halbjahr 2018 wird der weitere Verlauf des Handelskonfliktes entscheidend werden. Im Juli 2018 waren sinkende Preise zu beobachten, die einen negativen Trend in der Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten ankündigen könnten. Im Mittelpunkt stehen die USA, China und Europa. Die US-amerikanischen tarifären Handelsbeschränkungen werden von chinesischer Seite durch ebenfalls ansteigende Handelshemmnisse beantwortet. Durch die gestiegenen Einfuhrpreise sinkt die Nachfrage nach US-amerikanischen Agrarprodukten und chinesischen Stahl- und Aluminiumprodukten. Die Rohstoffpreise fallen. Die EU versucht sich ebenfalls durch die Erhebung von Einfuhrzöllen auf spezielle US-amerikanische Produkte zu wehren und gleichzeitig den europäischen Markt vor dem Überangebot an chinesischen Stahl- und Aluminiumprodukten zu schützen. Die Befürchtungen, dass die weitere Eskalation der handelshemmenden Maßnahmen zu einer Verschlechterung des Weltwachstums führt, steigen. Ein Einbruch in der generellen Nachfrage nach Rohstoffen wäre die Folge.

Weitere Artikel dieser Ausgabe

© B&E

Konjunktur

Deutscher Aufschwung weiterhin intakt

Aktuelle HWWI-Konjunkturprognose

BEITRAG VON Jörg Hinze und Henning Vöpel

Das HWWI hat seine Vorausschätzung für das Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr 2018 revidiert, von 2,1 auf 1,9 Prozent; für 2019 wurde die Prognose von 1,6 Prozent beibehalten.
MEHR

© B&E

Weltwirtschaft

"Machtlosigkeit ist wahrscheinlich das größte politische Problem unserer Zeit."

Exklusives Gespräch mit Professor Harold James

Das Gespräch fand im Rahmen der internationalen Wirtschaftskonferenz "The Dialogue of Continents: Drifts or Connectivity?" im September 2018 statt.

Mehr

© B&E

BDO IBC 2018

Der BDO International Business Compass 2018

BEITRAG VON André Wolf

Im Auftrag der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat das HWWI den BDO International Business Compass (IBC) erstellt. In diesem Jahr haben wir uns mit räumlichen Mustern im Energie- und Ressourcenverbrauch und deren Implikationen auseinandergesetzt.

MEHR

Autorin

Katrin Knauf

HWWI-Rohstoffpreisindex im 1. Halbjahr 2018