Rohstoffe

Der HWWI-Rohstoffpreisindex und die aktuelle Entwicklung der Rohstoffpreise

BEITRAG VON Katrin Knauf

Der HWWI-Rohstoffpreisindex wurde entwickelt, um die Preisveränderungen an den Rohstoffmärkten abzubilden und wird von Politik, Wirtschaft sowie nationalen und internationalen Institutionen für Analysen genutzt.

Die Entwicklung der Rohstoffpreise ist ein wichtiger Faktor der Konjunktur- und Wachstumsaussichten von Volkswirtschaften. In den rohstoffarmen Industrieländern beeinflussen Rohstoffpreise die Produktionskosten und damit die Preis- und die Einkommensentwicklung dieser Länder. Entwicklungs- und Schwellenländer realisieren einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen aus den Exporten von Rohstoffen. Steigende oder fallende Rohstoffpreise beeinflussen die Höhe der Exporterlöse und haben demzufolge einen wesentlichen Einfluss auf die ökonomische Entwicklung und die Kaufkraft dieser Länder. Die konjunkturelle Entwicklung der Industrieländer hat wiederum nachfrageseitig Rückwirkungen auf die Preisentwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex wird in US-Dollar und in Euro auf der Basis von Tages- und Wochenwerten berechnet. Der Gesamtindex umfasst die Preisentwicklung der 31 wichtigsten international gehandelten Rohstoffe. Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe wurde dabei gemäß der Rohstoffimporte der OECD-Länder vorgenommen. Dabei wurde bei der Entwicklung des Gesamtindex eine Gruppierung von Rohstoffarten vorgenommen, die eine fundiertere Betrachtung der Preisentwicklung der einzelnen Rohstoffgruppen ermöglicht. Der Index ist in die Teilindizes untergliedert: Energierohstoffe, Industrierohstoffe sowie Nahrungs- und Genussmittel. Diese Untergliederung ermöglicht differenzierte Analysen. Die Indexwerte stehen als Tages-, Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresdaten in Form von Zeitreihen zur Verfügung. Die Reihen stehen in Form von Tageswerten ab April 1996, Monatswerten ab Ende 1979 und in US-Dollar zum Teil ab 1960 Interessierten zur Verfügung. Darüber hinaus wird mit dem Index „Euroland“ ein separater Index zur Betrachtung der Rohstoffpreisentwicklung für die Europäische Währungsunion (EWU) bereitgestellt. Bei diesem Index wurden als Gewichte die Rohstoffimporte der Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion aus Drittländern herangezogen. Über die Entwicklung der Rohstoffpreise berichtet das HWWI regelmäßig. Monatliche Pressemitteilungen, aktuelle Indexdaten und Grafiken werden auf der Website des HWWI-Rohstoffpreisindex http://hwwi-rohindex.de zur Verfügung gestellt.

Die Entwicklung der Rohölpreise ist von großer Bedeutung für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Im HWWI-Rohstoffpreisindex sind deshalb die Preise der drei wichtigsten Rohölsorten enthalten: die europäische Rohölsorte Brent, die US-amerikanische Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) und Rohöl aus dem Nahen Osten. Im Januar 2017 betrug der durchschnittliche Rohölpreis 54 US-Dollar pro Barrel und fiel in den weiteren Monaten des ersten Halbjahres. Am 21. Juni 2017 erreichte der Rohölpreis mit durchschnittlich 44 US-Dollar pro Barrel den bisherigen Jahrestiefpunkt. Die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) und zehn weitere führende erdölfördernde Länder, allen voran Russland, versuchten, im ersten Halbjahr immer wieder die vereinbarten Förderquoten zu Beschränkung des globalen Rohölangebotes durchzusetzen. Geopolitische Interessen der einzelnen Staaten, bereits innerhalb der OPEC selbst, ließen die geplanten Angebotsbeschränkungen jedoch nicht wirken und so fielen die Preise am Rohölmarkt. In der zweiten Jahreshälfte stiegen die Rohölpreise wieder und im November betrug der durchschnittliche Rohölpreis dann 60 US-Dollar pro Barrel. Rohöl war damit im November 11 Prozent teurer als im Januar dieses Jahres. Der OPEC war es Ende November gelungen, das seit langem erwartete Abkommen über eine Verlängerung der Reduktion der Fördermengen mit zehn weiteren führenden Ländern, allen voran Russland, zu unterzeichnen. Ob der Preisanstieg jedoch auch zum Ende des Jahres 2017 und darüber hinaus im Jahr 2018 anhalten wird, ist fraglich, da die OPEC in den letzten Jahren stark an Durchsetzungskraft verloren hat. Zudem haben sich die USA in den letzten Jahren global vom Rohölnachfrager zum Rohölanbieter gewandelt. Der Abbau von fossilen Energierohstoffen wird von der gegenwärtigen US-amerikanischen Regierung weiterhin politisch gefördert. Die US-amerikanische Rohölsorte WTI ist seit geraumer Zeit die Billigste unter den drei weltweit führenden Rohölsorten. Weiterhin wird die unsichere geopolitische Lage des Nahen Ostens immer wieder die Marktteilnehmer in ihren Entscheidungen recht kurzfristig beeinflussen. Im Interesse einer Einnahmesteigerung könnten die bestehenden Reduktionsvereinbarungen von den teilnehmenden Ländern zudem unter Umständen nicht eingehalten werden.

Bei einer Betrachtung der Preisentwicklung der Industrierohstoffe und Nahrungs- und Genussmittel fällt auf, das die Preise für Industrierohstoffe im ersten Halbjahr 2017 gefallen sind. (vgl. Abbildung 2). Der Index für Industrierohstoffe, ein Teilindex des HWWI-Rohstoffpreisindex, sank in diesem Zeitraum. Besonders stark sank der Preis für Eisenerz aufgrund eines Überangebotes am Markt. Dieses Überangebot wurde durch eine anziehende Nachfrage in der zweiten Hälfte des Jahres kompensiert und die Preise für Eisenerz begannen zu steigen. In China war die Nachfrage nach Eisenerz besonders hoch.  In den Wintermonaten gelten strenge Umweltauflagen und so wurde die Produktion, beispielsweise von Stahl, ausgeweitet, um Lagerbestände zu bilden.  Ebenfalls im ersten Halbjahr 2017 sind die Preise für Nahrungs- und Genussmittel gesunken. Anders als der Index für Industrierohstoffe konnte der Index für Nahrungs- und Genussmittel diesen Preisverfall in der zweiten Jahreshälfte nicht ausgleichen. Gute Ernten, zum Beispiel bei Kakao, Kaffee und Zucker, ließen die weltweiten Preise für diese Rohstoffgruppe das gesamte Jahr über sinken. Selbst eine starke chinesische Nachfrage nach Kakao im Zusammenhang mit einer anziehenden Nachfrage nach Schokolade  ließ den Preis für Kakao nicht signifikant ansteigen. Ob dieser Preistrend sich auch im Jahr 2018 fortsetzen wird, ist davon abhängig, wie die Ernteergebnisse von Kakao ausfallen werden. Die Kakaoernte findet in Afrika zum Anfang des Jahres statt und die dann herrschenden Wetterbedingungen werden erneut ausschlaggebend sein für die Ernte.

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Autorin

Katrin Knauf