© Project BIO-PLASTICS EUROPE

Ausgabe Sommer 2020

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UMWELT

Bioplastik als Alternative: Potenziale und Hindernisse

BEITRAG VON Claudia Wellenreuther und André Wolf

Gegenwärtig lassen sich nur rund 1 Prozent der weltweit produzierten Menge an Plastik als "Bioplastik" bezeichnen. Gemäß offizieller Definition des Branchenverbandes European Bioplastics umfasst dies Plastikmaterialien, die entweder aus biologischen Ressourcen hergestellt (bio-basiertes Plastik), biologisch abbaubar oder beides sind.

In den letzten Jahren hat dieses Marktsegment im Zusammenhang mit seinem möglichen Beitrag zur Senkung des CO2-Fußabdrucks im Bereich Plastik an Aufmerksamkeit gewonnen. Dies gilt in erster Linie für bio-basiertes Plastik, da ein Verzicht auf die Nutzung von Erdöl und Erdgas als konventionelle Rohstoffe Treibhausgasemissionen in der Ressourcennutzung verringern kann. Zugleich hat das zunehmende Bewusstsein für die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikteile den Wunsch nach biologisch abbaubaren Materialien verstärkt. Besonderes Interesse gilt daher dem Marktsegment des bio-basierten und biologisch abbaubaren Plastiks. ForscherInnen des HWWI haben in ihren Forschungsaktivitäten im Rahmen des EU-Projekts "BIO-PLASTIC EUROPE" die zukünftigen Potenziale dieses Segments aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert.

Die Entwicklungen auf dem Bioplastikmarkt sind durch eine Vielzahl an Einflussfaktoren geprägt. Es lassen sich grundsätzlich regulatorische, technologische, gesellschaftliche und ökonomische Faktoren differenzieren. Regulatorisch besteht Unsicherheit vor allem auf EU-Ebene im Hinblick auf die Rolle von Bioplastik innerhalb der existierenden strategischen Leitlinien, wie der Europäischen Plastikstrategie, der Bioökonomiestrategie und dem neuen Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft. Grundsätzlich sieht die EU-Kommission sowohl Chancen als auch Risiken im Zusammenhang mit dieser Technologie. Auf der einen Seite sieht die Kommission Bioplastik als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft. Auf der anderen Seite hat sie Bedenken im Hinblick auf die sachgerechte Entsorgung der Produkte, so bedürfe es zunächst des Aufbaus einer separaten Sammel- und Recyclinginfrastruktur. Auf technologischer Ebene verhindern die gegenwärtig noch geringen globalen Produktionsmengen von Bioplastik bislang die Ausnutzung etwaiger Größenvorteile, zugleich bieten sich hier für die Zukunft aber noch beträchtliche Potenziale zur Kostensenkung durch Lerneffekte. Gesellschaftlich ist es vor allem das zunehmende Nachhaltigkeitsbewusstsein der Konsumenten, das Hoffnung bereitet, dass sich auch preislich unterlegene Bioplastikprodukte am Markt etablieren können.


 
Die Rolle der ökonomischen Einflussfaktoren wurde mithilfe eines quantitativen Projektionsmodells beleuchtet. Dabei wurde die jährliche Entwicklung der weltweiten Produktionskapazitäten für bio-basiertes biologisch abbaubares Plastik szenariobasiert bis zum Jahr 2030 projiziert. Simulationen wurden für ein Referenzszenario, ein optimistisches sowie ein pessimistisches Szenario durchgeführt, welche sich jeweils in ihren Annahmen bezüglich der Entwicklung der globalen Wirtschaftsleistung, der Rohölpreise sowie der Preise für Agrarrohstoffe unterscheiden. Neben preislichen Entwicklungen berücksichtigt das Modell auch die zukünftige Rolle technologischer Lerneffekte. Die Ergebnisse sind in der Abbildung dargestellt. Grundsätzlich erwarten alle drei Szenarien einen langfristigen Anstieg der Produktionskapazitäten. Im Falle des optimistischen Szenarios, welches von stärker steigenden Ölpreisen, einer positiveren Langfristentwicklung der Weltwirtschaft sowie einen Rückgang im Preis der Agrarrohstoffe ausgeht, fällt dieser jedoch deutlich signifikanter aus. Insgesamt verdeutlichen die Resultate die Relevanz makroökonomischer Einflussfaktoren auf den Bioplastikmarkt. Diese Analyse wird im weiteren Verlauf des Projekts von den beteiligten HWWI-ForscherInnen weitergeführt. So sollen die Marktpotenziale verschiedener Bioplastikmaterialien differenziert bewertet und verglichen werden. Die ökonomische Betrachtung wird zudem durch eine umfassende Umweltbewertung der Produktionsketten ergänzt.

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Autoren

Dr. Claudia Wellenreuther
Dr. André Wolf

HWWI RESEARCH PAPER

Market dynamics of bioplastics: demand projections and linkages to European policies

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