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Ausgabe Sommer 2020

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EU-Projekt Land-Sea-Act

Wachstumspotenziale maritimer Wirtschaft im Ostseeraum

BEITRAG VON Andreas Lagemann

Die Europäische Union fördert in Rahmen ihrer "Blue Growth"-Strategie Projekte für ein nachhaltiges und integriertes Wachstum in allen Bereichen der marinen und maritimen Wirtschaft ("Blue Economy"). Dabei sollen unterschiedliche maritime Aktivitäten miteinander vernetzt werden – beispielsweise durch die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen, personellen und finanziellen Ressourcen. Um die Wachstumsmöglichkeiten und die große Innovationsfähigkeit der Blue Economy noch stärker zu nutzen, spielen auch Cross-Innovation-Potenziale mit Wirtschaftszweigen an Schnittstellen der maritimen Wirtschaft eine zentrale Rolle.

Das HWWI trägt als Forschungspartner zur Analyse der Blue Economy im INTERREG-Ostseeprojekt "Land-Sea-Act" (Land-sea interactions advancing Blue Growth in Baltic Sea coastal areas) bei. Gemeinsam mit zehn weiteren Partnern aus Estland, Lettland, Polen, Deutschland, Dänemark und Schweden werden Chancen und Herausforderungen maritimer Raumplanung untersucht. Den Kern des Projekts bilden sechs Pilotvorhaben in den beteiligten Ländern. So werden beispielsweise in Deutschland auf Fehmarn nachhaltige Tourismuskonzepte erprobt. Das HWWI liefert dabei die Wissensbasis zur regionalen Situation der Blue Economy in den Regionen der Pilotprojekte.

Als besonders herausfordernd stellte sich dabei heraus, dass die Blue Economy in der amtlichen Statistik nicht als eigener Sektor gefasst ist. Somit lassen sich auf regionaler Ebene nur schwer genaue Angaben zur Bruttowertschöpfung und Anzahl der Arbeitsplätze in der Blue Economy machen. Um dies zu kompensieren, führte das HWWI in enger Zusammenarbeit mit den Projektpartnern vor Ort Expertenbefragungen durch. Neben der wirtschaftlichen Situation konnten die lokalen Stakeholder (Behörden und Ministerien, private Unternehmen, Forschungseinrichtungen) ihre Einschätzung zu Bedingungen für Blue Growth, zu existierenden Strategien und zukünftigen Entwicklungen abgeben.

Erste Ergebnisse zeigen, dass in den untersuchten Regionen vor allem der Tourismus und die Fischwirtschaft von großer Bedeutung sind. Dabei sehen die Befragten den Klimawandel und die technologische Entwicklung als besondere Herausforderungen an. Durch Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in den Regionen und die bestehende Infrastruktur seien jedoch gute Voraussetzungen für Blue Growth gegeben. Dagegen stellen die lokalen Vertreter fest, dass die mangelnde Datenbasis in den amtlichen Daten ein großes Problem bei der Bewertung der derzeitigen Situation aufwerfe. Die Ausgestaltung von Strategien für eine erfolgreiche zukünftige Entwicklung werde zudem durch den gesetzlichen Rahmen erschwert.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden im nächsten Jahr im Rahmen eines Workshops in Brüssel Vertretern der EU und weiterer Küstenregionen präsentiert und fließen zusammen mit den Berichten aus den einzelnen Pilotvorhaben in einen übergeordneten Aktionsplan zur "Multi-level Governance on Blue Growth and Spatial Planning" ein. Darin sollen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, wie auf verschiedenen Governance-Ebenen (transnational, national, regional und lokal) ein nachhaltiges und integriertes Wachstum der Blue Economy gezielt gefördert werden kann.

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Andreas Lagemann

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