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Ausgabe Sommer 2020

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Integration

EU-Projekt MICADO: Herausforderungen erfolgreicher Integration

BEITRAG VON Andreas Lagemann

Nach gelungenem Start im Januar 2019 hat das HWWI seine Forschungsaufgaben im Projekt MICADO (Migrant Integration Cockpits and Dashboards) weitestgehend abgeschlossen. Das im Rahmen des Horizon 2020-Programms von der Europäischen Union geförderte Forschungsprojekt mit 15 Partnern aus fünf Ländern verfolgt das Ziel, durch Aufbau neuer Informationsplattformen die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten zu unterstützen, indem der Informationsfluss zwischen MigrantInnen, lokalen Behörden sowie Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) im Integrationsbereich gestärkt werden soll.

Die Hauptaufgaben des HWWI lagen zum einen darin, anhand einer komparativen Datenanalyse den Blick für bestehende Unterschiede in der Zusammensetzung der Migrantenbevölkerung auf nationaler und regionaler Ebene zu schärfen. Zum anderen lieferten die ForscherInnen des HWWI einen wichtigen Input für co-creation sessions, in denen seitens Migranten, NGOs und Behördenvertretern Anforderungen und mögliche Inhalte des MICADO-Tools identifiziert wurden. Das HWWI fertigte hierfür eine Übersicht über lokale Indikatoren, d.h. auf Ebene der vier Pilotstädte Antwerpen, Bologna, Hamburg und Madrid, im Zusammenhang mit Migration und Integration an.

Die Ergebnisse zeigen, dass in allen beobachteten Ländern, Regionen und Städten erhebliche Unterschiede zwischen Migranten und Nicht-Migranten in den im Projekt untersuchten Bereichen Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Wohnen bestehen. So ist die Arbeitslosenquote unter Migranten, vor allem aus Nicht-EU-Ländern, deutlich erhöht. Dieses Ergebnis lässt sich unter anderem auf die unterschiedlichen Niveaus der formalen Bildung zurückführen. Die vergleichsweise niedrige Quote an Hochschullabsolventen und die höhere Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabbruchs erschweren den Zugang zum Arbeitsmarkt. Dagegen bestehen bezüglich der Selbsteinschätzung zum Gesundheitszustand, abgesehen von Belgien, nur geringe Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Jedoch leben Migranten häufiger in überfüllten Wohnungen oder Unterkünften.

Doch nicht nur zwischen Migranten und Nicht-Migranten zeigen sich deutliche Disparitäten. Auch zwischen den Städten stellen unterschiedliche Themenbereiche besondere Problemschwerpunkte dar. Daher setzt das MICADO-Projekt auf lokale Lösungen, die je nach Bedarf in den Pilotstädten umgesetzt werden. Erschwert wurden die Untersuchungen dadurch, dass vor allem auf lokaler Ebene die Verfügbarkeit von vergleichbaren Daten stark eingeschränkt ist. Ein solches Wissen ist jedoch Grundlage für erfolgreiche Integration. Eine Ausweitung und gleichzeitige Harmonisierung der amtlichen Erhebung von Integrationsindikatoren im EU-Raum wäre daher für die Zukunft wünschenswert. Die ForscherInnen des HWWI haben durch eine vergleichende Gegenüberstellung der gegenwärtigen Datenlücken hierfür einen Beitrag geleistet.  

Basierend auf diesen wissenschaftlichen Befunden sowie Erkenntnissen aus den co-creation sessions werden in den weiteren Arbeitspaketen technische Tools wie eine App und Data Dashboards von anderen Partnern des Konsortiums praktisch entwickelt. In weiteren Schritten sollen die Lösungen bis zum Ende der Projektlaufzeit im Juni 2022 nach den lokalen Bedürfnissen in den Pilotstädten getestet und schließlich eingeführt werden.

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Autor

Andreas Lagemann

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