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Ausgabe Winter 2020

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Integration

Die Integration von Migranten im europäischen Vergleich – Erkenntnisse aus dem EU-Projekt MICADO

BEITRAG VON Andreas Lagemann

Im Rahmen des von der Europäischen Union (EU) geförderten Horizon 2020-Projekts "MICADO" (Migrant Integration Cockpits and Dashboards) hat das HWWI die Integration von Migranten genauer untersucht und die Ergebnisse aus zwei Arbeitspaketen des Projekts in einem HWWI Policy Paper zusammengefasst. Die Analysen beleuchten zum einen Integrationsindikatoren aus den Bereichen Arbeit, Bildung, Gesundheit und Wohnen für die im Projekt vertretenen Länder Belgien, Italien, Spanien und Deutschland. Zum anderen werden Probleme der zugrundeliegenden Datensätze aufgezeigt und geprüft, inwieweit sich die Kennzahlen auch auf regionaler und lokaler Ebene anwenden lassen.

Die Ergebnisse zeigen, dass in allen beobachteten Ländern, Regionen und Städten erhebliche Unterschiede zwischen Migranten und Nicht-Migranten bestehen. So ist die Erwerbstätigenquote unter Migranten, vor allem aus Nicht-EU-Ländern, deutlich niedriger. Das spiegelt sich auch in der höheren Arbeitslosenquote in dieser Gruppe wider. Eine mögliche Ursache liegt in den unterschiedlichen Niveaus der formalen Bildung. Unter Migranten liegt die Quote an Hochschullabsolventen teils deutlich unter dem Durchschnitt in der Bevölkerung. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabbruchs erhöht, was den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert. Bezüglich der Selbsteinschätzung zum Gesundheitszustand bestehen, abgesehen von Belgien, nur geringe Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Jedoch leben Migranten häufiger in überfüllten Wohnungen oder Unterkünften und sind nur in seltenen Fällen Wohneigentümer.

Doch nicht nur zwischen Migranten und Nicht-Migranten zeigen sich deutliche Disparitäten. Auch zwischen den Ländern stellen unterschiedliche Themenbereiche besondere Problemschwerpunkte dar. Während sich in Spanien die Quote der Überlastung durch Wohnkosten unter Migranten besonders von Nicht-Migranten unterscheidet, ist in Italien der Anteil der Unter-30-Jährigen, die sich weder in einem Arbeitsverhältnis noch in Ausbildung befinden, außergewöhnlich hoch. Für Deutschland zeigt sich im Ländervergleich ein stark erhöhter Anteil an Teilbeschäftigten unter den Migranten. Für Frauen gilt dieses Muster auch für Nicht-Migranten.

Diese und weitere Befunde stellen einen wichtigen Beitrag zur Bewertung und Verbesserung von Integrationsprozessen dar. Jedoch lässt die mangelnde Datenverfügbarkeit einige Fragen offen. So können Indikatoren, die nur auf nationaler Ebene erhältlich sind, nur schwache Hinweise auf die Situation auf regionaler Ebene liefern. Zur Bewertung von Politikmaßnahmen wäre außerdem eine Langzeitbetrachtung wünschenswert, was vor allem bei den Themengebieten Wohnen und Gesundheit nicht möglich ist. Erschwert wurden die Untersuchungen zudem dadurch, dass vor allem auf lokaler Ebene die Verfügbarkeit von vergleichbaren Daten stark eingeschränkt ist. Ein solches Wissen ist jedoch Grundlage für erfolgreiche Integration. Eine Ausweitung und gleichzeitige Harmonisierung der amtlichen Erhebung von Integrationsindikatoren im EU-Raum wäre daher für die Zukunft von großer Bedeutung. Die ForscherInnen des HWWI haben durch eine vergleichende Gegenüberstellung der gegenwärtigen Datenlücken hierfür einen Beitrag geleistet.

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Autor

Andreas Lagemann

Projekt-Website

HWWI Policy Paper

Migrant integration: Insights from Belgium, Italy, Spain and Germany