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Ausgabe Winter 2020

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STADT

Wie brachliegende Gewerbeflächen zukunftsfest umgenutzt werden können – Studie zu Entwicklungspotenzialen des Neustadtsgüterbahnhofs in Bremen

BEITRAG VON Mirko Kruse und Jan Wedemeier

Die bremische Innenstadt befindet sich in einem Prozess des Umbruchs. Zahlreiche bauliche Großprojekte sowie ein – durch die Corona-Pandemie noch verstärkter – Strukturwandel prägen die Entwicklung der Innenstadt und der angrenzenden städtischen Quartiere. Zu diesen zählt auch die Fläche des Neustadtsgüterbahnhofs, eine rund 90.000 Quadratmeter große Gewerbefläche zwischen Neustadt und Vorderem Woltmershausen. Trotz seiner zentralen Lage galt die Fläche bisher als verwahrlost und der Großteil des Baubestands stand leer. Der Projektentwickler Peper&Söhne hat das Gelände im Jahr 2018 erworben und plant eine Neuentwicklung. Das HWWI hat hierzu eine Perspektivstudie erarbeitet, um mögliche Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Studie folgte den Leitfragen 1) welches Gewerbe sollte sich in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Vorderen Woltmershausen und der Neustadt ansiedeln, 2) welche Rolle können Zukunftsbranchen und Trends für die weitere Entwicklung spielen, wobei 3) die Bedeutung von Gründungen/Spin-offs und hochschulnahen/forschungsintensiven Unternehmen/Dienstleistungen betrachtet werden sollte. Das Perspektivpapier hat diese Leitfragen aufgenommen und vor dem Hintergrund von regionaler Spezialisierung und Trends gespiegelt.

Zu den relevanten Trends, die für Bremen allgemein und die Fläche des Neustadtsgüterbahnhofs im Speziellen an besonderer Relevanz gewinnen, gehören neben Individualisierung, Demografie und Digitalisierung ebenso Urbanisierung/Mobilität und Dekarbonisierung/Nachhaltigkeit. Während die Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und auch andere Entwicklungslinien eine wichtige Rolle spielen, werden diese Trends als besonders wichtig für die Entwicklungsperspektive betrachtet. Bezüglich der Spezialisierung zeigt sich, dass die bremische Wirtschaftsstruktur einem hohen Anpassungsdruck unterliegt, da besonders jene Sektoren, die in Bremen ein hohes Gewicht haben, von Trends wie Digitalisierung oder Dekarbonisierung im besonderen Maße betroffen sind. Während bei Handwerk, Gewerbe und Startups sowie im Forschungs- und Entwicklungsbereich positive Entwicklungspotenziale liegen, stehen diese Bereiche gleichzeitig Herausforderungen wie einem begrenzten Angebot an Entwicklungsflächen gegenüber.

Die Ergebnisse der Analyse von Trends und Spezialisierungen wurden in einem weiteren Schritt mit Stakeholdern in einem Workshop vor Ort auf der Fläche des Neustadtsgüterbahnhofs diskutiert und zugespitzt. Auf dieser Grundlage ist schließlich eine Reihe von möglichen Nutzungen identifiziert worden. So bieten sich beispielsweise Circular Design Labs und FabLabs an, die eine Verbindung von Startups und Forschungslandschaft darstellen würden. Auch Kultur- und Erlebnisökonomie sollten, ebenso wie Handwerk und Coworking Spaces in Betracht gezogen werden. Die Abbildung unten fasst die Ergebnisse der Untersuchung wesentlich zusammen. Insgesamt bietet sich mit der Neuentwicklung des Neustadtsgüterbahnhofs die Chance auf eine positive Beeinflussung der angrenzenden Quartiere, wobei eine moderne Gewerbefläche mit Dienstleistungsnutzung auch einen überregionalen Vorbildcharakter entfalten würde.

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Autoren

Mirko Kruse
Dr. Jan Wedemeier

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