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Ausgabe Winter 2021

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Hafenwirtschaft

Hohe Einsparpotenziale für Häfen durch "grüne" anstelle konventioneller Investments

BEITRAG VON Dörte Nitt-Drießelmann und Lasse Steffens

Mit den Ambitionen der Europäischen Union ihre Nachhaltigkeitsziele für 2030 und 2050 zu erreichen, verschärft sich der Blick auf den Beitrag, den der maritime Transport hierfür zu leisten hätte. Da Prognosen von einer weiteren Zunahme des innereuropäischen Schiffsverkehrs bis 2030 um 25 Prozent ausgehen, wächst die Notwendigkeit, den europäischen Schiffsverkehr stärker nachhaltig umzugestalten. Dafür müssen auch die Häfen mit in die Transformation eingebunden werden, da ansonsten eine nachhaltig ökologische sowie ökonomische Entwicklung des Schiffsverkehrs und der davon beeinflussten regionalen Ökonomien nicht sichergestellt werden kann.

EU-Projekt "DUAL Ports" untersucht Möglichkeiten einer "grünen" Transformation

DUAL Ports (Developing Low carbon Utilities, Abilities and potential of regional entrepreneurial Ports), ein über sechs Jahre laufendes EU-Projekt (2015-2022) im Rahmen des EU-Interreg North Sea Region Programms, greift diesen Handlungsbedarf auf. Das Projekt untersucht, wie die CO2-Belastung durch die Hafenwirtschaft in der Nordseeregion ökonomisch rentabel reduziert werden kann. Ziel von DUAL Ports ist, die organisatorische und operationale Energieeffizienz und die Leistungsfähigkeit der Häfen zu verbessern, indem konventionelle Investments "grünen" Alternativen gegenübergestellt und mit ihnen verglichen werden. Im Projekt werden diese Investments – sogenannte Piloten – praktisch erprobt und evaluiert, wobei gemessen wird, wie hoch das Einsparpotential bei den CO2-Emissionen (in Äquivalenten) und den monetären Kosten bei dem "grünen" im Vergleich zum konventionellen Investment ausfällt. Das Projekt ist transnational organisiert und beinhaltet die Kooperation von 17 verschiedenen Projektpartnern aus sieben verschiedenen Ländern. Darunter agiert der Hafen von Oostende als Lead Project Partner. Im Rahmen des Projektes wurden bis heute 15 verschiedene "grüne" Pilot-Investitionen durchgeführt. So wurden beispielsweise konventionellen Lichtanlagen durch smarte LED-Systeme ersetzt, Straßen mit "grünem Asphalt", der Stickstoffoxide bindet, statt konventionellem Asphalt hergestellt und Restenergie aus Wind-, Solar- und Meeresenergiesystemen wieder in die lokalen Heizsysteme integriert.

Die CBA (Cost-Benefit-Analysis) des HWWI zeigt Potenziale "grüner" Häfen

Im Rahmen des DUAL Ports Projekts entwickelte das HWWI in Abstimmung mit den Projektpartnern ein CBA-Tool, bei dem die direkten und indirekten Effekte des konventionellen Investments dem "grünen" Investment gegenübergestellt werden. Damit können mögliche Kosten- und CO2-Einsparungen bei Durchführung der "grünen" Alternative quantifiziert werden. Für die Evaluierung des Projektes wurden bis heute sechs der fünfzehn Pilots abschließend untersucht: Sail Cargo, HEAT, SOIL, SURFACE, LNG und LED*. Aus den Ergebnissen der bislang evaluierten sechs Pilots lässt sich insgesamt eine positive Resonanz aus dem Projekt ziehen. Würden Häfen, die oben genannten sechs untersuchten, grünen Investitionsmöglichkeiten anstelle der konventionellen Methoden umsetzen, könnten sie in diesen sechs untersuchten Bereichen ihre operativen Kosten im Schnitt um jeweils 23 Prozent reduzieren und dabei zudem eine Emissionsreduzierung (CO2 in Tonnen) von 82 Prozent herbeiführen. Diese Ergebnisse erhalten eine zusätzliche Relevanz durch die Aussicht, dass einerseits eine stärkere Einbeziehung des maritimen Sektors zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele – beispielsweise durch die Einbindung in den EU-Emission Trading System (EU ETS) – zu erwarten ist und sich anderseits der CO2-Preis in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird.

Das Cost-Analysis-Tool des HWWI steht anderen Häfen zur Verfügung

Die durch die Evaluierung des Projektes gewonnenen Erkenntnisse können auch von anderen Häfen genutzt werden, die sich damit auch abseits einer intrinsisch motivierten Beteiligung an Nachhaltigkeitszielen komparative Wettbewerbsvorteile erschließen können. Ihnen steht das vom HWWI entwickelte Cost-Analysis Tool zur Verfügung, mithilfe dessen grüne Investitionen mit konventionellen Investitionen in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Kosten verglichen werden können. Das HWWI hat im Rahmen von DUAL-Ports zudem einen Action Plan zur Transformation hin zu Niedrigemissionshäfen erstellt.

Abschließend ist festzuhalten, dass es für Häfen möglich ist, zeitgleich umweltfreundlich und kostenbewusst zu operieren. Höhere Energieeffizienz, kürzere Transportwege und die Verwendung innovativer Technologien ermöglichen es, komparative Wettbewerbsvorteile zu erzielen, die langfristig nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Häfen, sondern auch der Standortregionen sichern können.

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Autoren

Dörte Nitt-Drießelmann
Lasse Steffens

Website

Publikationen

Publikationen des HWWI aus dem Projekt DUAL Ports finden Sie in unserem Dossier Hafenwirtschaft.